Tel.: +43 (0) 664 4584577
Natural Horsemanship
Quelle: Pferdezeit Österreich Februar/März 2007

 

Was ist Natural Horsemanship?
PferdeZeitDiese kleine Begebenheit verrät viel über Natural Horsemanship.
NH ist keine Disziplin wie Westernreiten, Dressur oder Springen, sondern es ist eine Grundeinstellung.
Die Philosophie von Natural Horsemanship ist das Verstehen und das Erlernen der Kommunikation mit dem Pferd, um ein harmonisches, zufriedenes und vor allem gewaltfreies Miteinander zu schaffen.

Pferde verständigen sich im wesentlichen durch Körpersprache und Signale.
Der Mensch muss sich mit dieser Sprache auseinander setzen, sie deuten lernen, um sein Pferd, sein Verhalten und seine Reaktion zu verstehen - und um sich auch dem Pferd gegenüber klar und deutlich verständlich machen zu können.

NH ist anfangs eher ein Menschen-Training, da der Mensch zuerst lernen muss, wie diese Form der Kommunikation funktioniert. Einer, der viel dazu beigetragen hat, die Methode des Natural Horsemanship in Österreich bekanntzumachen, ist der Oberösterreicher Reinhard Mantler.

1968 in Wolfern bei Steyr geboren, lernte Mantler am elterlichen Pferdezucht- und Einstellbetrieb schon in jungen Jahren reiten.
Mit 21 Jahren verschlug es ihn nach Amerika, wo er sein Herz dem Westernreiten schenkte und ein Jahr auf einer Ranch arbeitete.
1991 kam er zurück, übernahm den bis dato als Dressur- und Springstall geführten Betrieb und stellte diesen auf Westernreiten um.
Sechs Jahre lang trainierte er eigene und fremde Pferde, nahm an nationalen und internationalen Turnieren teil, wurde u.a. zweimal Vize-Europameister - doch der Turniersport befriedigte ihn immer weniger. Er erkannte, dass das Pferd kaum als Partner, sondern oft nur als Sportgerät gesehen wurde, das Erfolge bringen sollte. Freunde machten ihn daraufhin mit einer alternativen Pferdearbeit bekannt, der er anfangs etwas skeptisch gegenüberstand, doch bald merkte er, dass ihm genau dies gefehlt hatte: die Pferde richtig zu verstehen und ihrer Art gerecht zu werden.
1993 lernte er Klaus Ferdinand Hempfling kennen, der europaweit für seine ungewöhnliche Pferdearbeit ("Mit Pferden Tanzen") bekannt geworden war. Im Dezember 1994 demonstrierte Hempfling auf Mantlers Hof seine Methode erstmals in Österreich.
Im Mai 1996 kam ein weiterer "Pferde-Guru" auf Reinhard Mantlers Anlage nach Wolfern, nämlich Pat Parelli, der damals sein Natural Horsemanship-System in Österreich zum ersten mal vorstellte.
1997 ging Mantler zu Pat Parelli nach Amerika, wo er eine Ausbildung bis Level 2 absolvierte. Er wäre - mit seinen damals knapp 30 Jahren - der jüngste Parelli-Instruktor gewesen, doch Mantler wandte sich vom hierarchischen Parelli-System ab, kehrte nach Österreich zurück und gründete 1998, gemeinsam mit André Stockinger, das Natural-Horsemanship-Team (NHT).

Heute wird das NHT-Projekt von Petra und André Stockinger weiter geführt, die auch die NHT-Academy ins Leben gerufen haben. Klaus Ferdinand Hempfling, Pat Parelli und Monty Roberts - das sind jene drei Pferdemenschen, die Reinhard Mantler wesentlich geprägt haben.
Von diesen Persönlichkeiten inspiriert, formte er seine ganz eigene, individuelle Methode, um mit dem Pferd zu kommunizieren. Für ihn ist es wichtig, dass bei seiner Arbeit die Persönlichkeit jedes einzelnen einfließen kann.
Er möchte nicht strikt nach einem System unterrichten, sondern zeigen, wie man es angehen könnte - und jeder soll für sich daraus das Passende aussuchen und umsetzen.

 

 

Die Mantler-Methode

Reinhard Mantler legt auf drei wichtige Punkte besonderes Augenmerk, die für ihn das Grundgerüst der gesamten Kommunikation darstellen: Aufmerksamkeit, Vertrauen und Respekt. Aufmerksamkeit - und damit ist jene von Pferd und Mensch gemeint - denn beide müssen sich die Aufmerksamkeit des Anderen verschaffen, erst dadurch wird Kontakt hergestellt und Kommunikation ermöglicht. Der Kontakt wird nicht nur physisch, mit Berührung, sondern vor allem durch Präsenz, Ausstrahlung und Energie hergestellt.

Vertrauen erhält der Mensch, wenn er gibt und nimmt, wenn er sorgsam und zartfühlend ist und wenn er vor allem zuverlässig ist und dem Pferd Sicherheit bietet. Das Pferd muss sich auf den Menschen verlassen können, es darf nicht das Gefühl bekommen, im Stich gelassen zu werden.

Respekt erlangt man durch erarbeitetes Vertrauen und dazugehörige Konsequenz. Respekt, also Berücksichtigung, beruht ebenfalls auf Gegenseitigkeit. Der Mensch wird nur dann respektiert, wenn er auch berücksichtigt, was das Pferd ihm kommuniziert. Bei dieser Arbeit ist man auch gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, seine eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, man muss sich Fehler eigestehen können und daraus lernen.

Pferde leben und denken in der Gegenwart, sie blicken nicht wie wir Menschen in die Zukunft und planen nicht voraus. Unsere Gedanken befassen sich nur allzu oft damit, was sein wird und was sein kann, aber nicht, wie es jetzt ist und was man damit anfängt. Darum ist es in der Arbeit mit Pferden so wichtig, sich immer genau damit auseinander zu setzen, was im Moment geschieht. Gibt man dem Pferd jetzt gerade das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit oder ist es eher Unbehagen, Unsicherheit und Angst? Dannach richtet sich das Pferd und handelt, je nachdem ob es vertraut oder nicht. Entweder es folgt dem Menschen, oder es wird scheu und ängstlich.

Das Ziel, das man durch Aufmerksamkeit, Vertrauen und Respekt erreichen möchte, ist das freiwillige Folgen des Pferdes. Seine Methode vermittelt Mantler nicht in Büchern oder Videos, sondern gibt sie in Kursen weiter, wo er seine Schüler in Kursen kennenlernen und ihnen individuell bei ihren Problemen helfen kann.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind Seminare "Führungskräfteentwicklung mit Pferden", wo speziell Kommunikationstraining, Teamwork und Führung geschult werden. Pferde leben in einem hierarchischen System mit klaren Linien, welche sich der Mensch ebenfalls zu Nutzen machen kann. Mantler hat damit schon starken positiven Anklang gefunden und hält diese Seminare für Manager zahlreicher bekannter Unternehmen.

Zudem hat er ein Projekt ins Leben gerufen, welches sich mit Jugendlichen im Alter von 16 Jahren beschäftigt. Es handelt sich um Schüler, welche in Heimen leben und in 2-6 Tagesmodulen ihren Umgang mit Menschen - durch die Arbeit mit Pferden - verbessern und dadurch auch einen positiveren Zugang zu ihrer Umwelt erhalten, um in der heutigen Gesellschaft besser zurecht zu kommen.

Reinhard Mantler bei der Arbeit

 
© 2012 Reinhard Mantler Horse-Man-Ship