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Der Blick in den Spiegel

Quelle: Pferde Revue August 2006

... ist für Manager immer häufiger ein Blick in die dunklen Augen eines vierbeinigen wiehernden Trainers. Wie Pferde auf Persönlichkeiten wirken, und warum gute Reiter nicht gleichzeitig gute Fürhungspersönlichkeiten sind, erfahren Sie hier.
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Auf gleicher Wellenlänge: Reinhard Mantlers Hengst Peppi sieht man die Konzentration an - die Ohren auf ihn gerichtet und ständig in Blickkontakt folgt er seinem Besitzer auf Schritt und Tritt. Mantler arbeitet dabei nur mit seiner Körpersprache und mit seiner Präsenz - Dinge, die man im beruflichen Alltag auch einsetzen sollte, um klare Botschaften zu überbringen.





 

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Emotionales Lernen

Es gibt eigentlich kein Pferd, von dem man als Mensch nicht lernen kann. Pferde, die in Gruppen und im Offenstall gehalten werden, eignen sich aber tendenziell besser, da sie ein intakteres Sozialverhalten zeigen. Sie sollten auch schon etwas reifer sein: Junge Pferde "spiegeln" noch nicht so gut, da sie meist noch sehr mit sich selbst beschäftigt sind.





Reinhard Mantler ist nicht nur ein begnadeter Horseman, er ist mittlerweile auch der größte Anbieter von Führungskräftetrainings in Deutschland. Für ihn ist das Lernen mit den Pferden in erster Linie ein sehr emotionaler Prozeß: "Wenn man unsere Welt heute ansieht, hat man es nur mehr mit kognitiven Prozessen zu tun. Die Menschen vernachlässigen ihr limbisches System. Die gesamten Gefühle und Instinkte werden vergessen. Immer, wenn Menschen zusammenkommen, zählen aber diese Dinge, und gerade auf Führungsebene geht es um Beziehungen."




Man kann eben nicht nicht kommunizieren, das wußte schon Paul Watzlawick - und gerade an der Sprache, die man nicht hören kann, muß man in besonderem Maße arbeiten. "Wie präsent muß ich sein, wie strahle ich Präsenz aus, damit das Pferd sie spürt - ohne, daß ich das Pferd körperlich berühren muß. In meinen Seminaren geht es eben nicht nur um die kognitive Vermittlung von Botschaften. Authentische Kommunikation ist, Intention und physische Wirkung in Einklang zu bringen. Sehr häufig geht die Intention in die eine und die Wirkung in eine andere Richtung. Pferde konzentrieren sich aber nicht auf meine Gedanken und Intentionen, sondern auf meinen Körper, die Art und Weise, wie ich meine Gedanken nonverbal signalisiere. Das bringt die Menschen dazu, ihre Körpersprache bewußt einzusetzen, sich ihres Körperausdrucks bewußt zu werden." so Mantler.

Die Emotionalität der Lernsituation entsteht durch das unmittelbare, ungefilterte Feedback des Pferdes, das zu Beginn von den Trainern natürlich noch übersetzt werden muß. So passiert es beispielsweise, daß ein Manager nur in einem Round Pen steht und das Pferd um ihn herum nicht ruhiger wird, sondern wild um ihn herumgallopiert, scheinbar in Panik. Der nächste Teilnehmer schafft es aber sofort, das Pferd zu sich in die Mitte zu holen. Diese Erlebnisse gehen auch dem zielorientiertesten "Macher" unter die Haut und verhelfen zu tiefer Erkenntnis: "Nachdem der Teilnehmer gelernt hatte, seine Präsenz etwas zu reduzieren, sagte er nach diesem Erlebnis im Round Pen zu mir: 'Jetzt verstehe ich endlich, warum meine Sekretärinnen immer zusammenzucken, wenn ich ins Büro komme!'"

 
© 2012 Reinhard Mantler Horse-Man-Ship